Entwicklung und Prüfung von Deutungshypothesen im Dialog mit KI. Qualitätskriterien für Thesen, Analyse der Schüler*innen-KI-Interaktion, prozeduraler Support durch Promptvorlagen. Dieses Modul behandelt eine zentrale Aufgabe des Interpretationsunterrichts: die Entwicklung und Diskussion von Deutungshypothesen.

Die Aufgabe ist in der dritten Doppelstunde der Unterrichtsreihe verortet und nutzt KI als Diskussionspartner zur kritischen Prüfung und argumentativen Untermauerung der Thesen. Teil 4.1 führt in das Aufgabenkonzept ein. Deutungshypothesen erfüllen in schriftlichen Interpretationen eine Scharnierfunktion zwischen mündlicher Erarbeitung und schriftlicher Ausarbeitung. Sie bündeln wesentliche Aspekte der Textdeutung und bringen diese in einen übergeordneten Zusammenhang. Die Teilnehmenden analysieren eine konkrete Schülerinnen-Hypothese anhand von sechs Qualitätskriterien: Textbindung, Prägnanz & Abstraktion, thematische Einordnung, Formbezug, Deutungsanspruch und Bezug auf das Textganze. Die Analyse zeigt, dass die Beispielhypothesen noch zu allgemein formuliert ist und enger auf den Text und dessen Interpretation bezogen werden sollte. Im Zentrum des Moduls steht die Frage, wie KI die Entwicklung tragfähiger Deutungshypothesen unterstützen kann. Die Teilnehmenden erarbeiten in einer Mindmap verschiedene Potenziale: KI kann als kritischer Diskussionspartner fungieren, Formulierungsalternativen vorschlagen, auf fehlende Textbelege hinweisen oder die logische Konsistenz prüfen. Gleichzeitig werden Herausforderungen identifiziert, etwa die Gefahr oberflächlicher Zustimmung oder die Schwierigkeit, zwischen plausiblen und weniger plausiblen KI-Vorschlägen zu unterscheiden. Teil 4.2 analysiert die konkrete Interaktion der Schülerinnen mit der KI. Anhand eines Diskussionsverlaufs wird untersucht, ob der Deutungsansatz kritisch hinterfragt wird, die These sprachlich geschärft und eine stimmige Argumentation mit Textbezug entwickelt wird. Die Teilnehmenden entwickeln eigene Folgeprompts, die die Interaktion in produktivere Richtungen lenken könnten. Ein wichtiger Aspekt ist die Bereitstellung prozeduralen Supports: Wenn Schülerinnen Schwierigkeiten haben, mit der KI in eine echte Diskussion zu treten, können Promptvorlagen helfen. Das Modul präsentiert verschiedene Vorlagen für unterschiedliche Funktionen: These prüfen, Feedback geben, Argumente entwickeln, Weiterarbeit planen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Analyse einer Videosequenz, in der eine Schülerin ihre Schwierigkeiten artikuliert, mit der KI eine Diskussion zu führen. Dies verdeutlicht, dass die Interaktion mit KI erlernbare Kompetenzen erfordert, die gezielt gefördert werden müssen. Die Teilnehmenden lernen, wie verschiedene Formen des Supports – von Promptvorlagen über Peer-Feedback bis zu strukturierten Reflexionsphasen – die produktive Nutzung von KI unterstützen können.

DeutschSekundarschuleSekundarbereich II
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