Kreative Textproduktion mit KI-Unterstützung: Schüler*innen entwickeln Dialoge zwischen Textfiguren. Analyse von Arbeitsprozessen, Prompting-Verhalten und Unterstützungsbedarf bei der KI-Nutzung. Dieses Modul präsentiert und analysiert eine konkrete Unterrichtsaufgabe, bei der Schüler*innen mithilfe von KI einen Dialog zwischen den Textfiguren des Eichendorff-Gedichts entwickeln.
Die Aufgabe gehört zum Bereich der textproduktiven Verfahren und zielt auf die Förderung der Vorstellungsbildung und subjektiven Aneignung literarischer Texte. Im ersten Teil (3.1) wird das Aufgabenkonzept vorgestellt und didaktisch eingeordnet. Die Schülerinnen haben die Aufgabe, entweder einen Dialog zwischen den beiden gealterten Gesellen zu verfassen oder eine abschließende Äußerung des lyrischen Sprechers zu formulieren. Diese Art der kreativen Ausgestaltung von Leerstellen ist typisch für den handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht. Die Teilnehmenden des Moduls analysieren ein von Schülerinnen erstelltes und vorgetragenes Dialogergebnis und bewerten, inwieweit die Erwartungskriterien erfüllt wurden: Werden die Lebenssituationen treffend beschrieben? Reflektieren die Figuren ihre Lebensentscheidungen? Wird die Wertungsperspektive des lyrischen Sprechers deutlich? Der didaktische Mehrwert der Aufgabe liegt in der Verbindung von subjektiver Involviertheit und genauer Textwahrnehmung. Die Schüler*innen müssen den Text präzise wahrnehmen (etwa die ironischen Untertöne in der Beschreibung des ersten Gesellen), können aber gleichzeitig eigene Vorstellungen und Wertungen in die Ausgestaltung einbringen. Die Nutzung von KI kann hierbei unterstützend wirken, birgt aber auch Risiken, etwa wenn die KI-generierten Dialoge die eigene kreative Auseinandersetzung ersetzen statt zu ergänzen. Diese Ambivalenz wird im zweiten Teil (3.2) des Moduls deutlich. Hier steht die Begleitung des Lernprozesses im Fokus. Anhand von Videoaufnahmen der Schülerinnen-Tablets wird nachvollzogen, wie die Lernenden mit der KI interagieren. Die Analyse zeigt, dass die Schülerinnen durchaus kritisch mit den KI-Vorschlägen umgehen, aber Unterstützung bei der Formulierung eines präzisen Prompts und bei der systematischen Bewertung und Weiterentwicklung der Textvorschläge der KI benötigen. Die Schülerinnen entwickeln keine eigenen Zielvorstellungen für das Aufgabenergebnis und haben Schwierigkeiten, ihre Überlegungen in präzise Prompts zu übersetzen. Die Teilnehmenden des Moduls identifizieren diese Unterstützungsbedarfe bei den Schüler:innen und setzen sich kritisch mit vorgestellten Arbeitsmaterialien zur Unterstützung auseinander, etwa vorbereitenden Teilaufgaben oder einem Dokumentationsblatt für die KI-Interaktion. Sie lernen so, wie prozeduraler Support aussehen kann, der die Schülerinnen bei der Aufgabenbearbeitung und bei der Bewertung Prompten unterstützt, ohne ihnen die inhaltliche Arbeit abzunehmen. Der dritte Teil (3.3) zieht ein Resümee zur Aufgabe. Die Teilnehmenden reflektieren, was die Aufgabe für die Förderung der Schreibkompetenz und die Entwicklung des Textverständnisses leistet. Es wird deutlich, dass die Aufgabe besonders auf der Kontrollebene des Schreibprozesses ansetzt: Die Schüler*innen müssen Ziele entwickeln, Textmodelle entwerfen und Qualitätskriterien anlegen. Die eigentliche Formulierungsarbeit wird in weiten Teilen durch die KI übernommen, wodurch kognitive Ressourcen für die inhaltliche Auseinandersetzung frei werden.