Didaktische Analyse von Eichendorffs "Die zwei Gesellen", Methode des dialogischen Lesens, systematische Bewertung von KI-Einsatzmöglichkeiten für verschiedene Interpretationsaspekte, Prompting-Grundlagen. Das zweite Modul führt anhand eines Beispieltextes in die konkrete Unterrichtsplanung für den KI-gestützten Literaturunterricht ein.

Joseph von Eichendorffs Gedicht "Die zwei Gesellen/Frühlingsfahrt" dient als exemplarischer Gegenstand, um zu zeigen, für welche Aspekte des literarischen Lernens und des Interpretierens die Nutzung von KI produktiv sein kann und für welche nicht. Das Modul gliedert sich in zwei Hauptteile: die Planung des KI-Einsatzes (2.1) und die Schaffung der Grundlagen für die produktive KI-Nutzung im Unterricht (2.2). Im ersten Teil (2.1) steht die didaktische Analyse des Gedichts im Zentrum. Die Teilnehmenden erproben selbst eine Methode zur Texterschließung, das dialogischen Lesen, indem sie nach jeder Strophe Fragen an den Text formulieren. Diese Methode (Lehndorf/Pieper 2022), dient der Verstrickung der Leserinnen in den Text und der schrittweisen Überführung subjektiver Fragen in ein klassenöffentliches Unterrichtsgespräch. Die Teilnehmenden vergleichen ihre eigenen Fragen mit denen, die Schülerinnen im videografierten Unterricht gestellt haben, und kategorisieren diese in Schlüsselfragen, Verstehensfragen und randständige Fragen. Diese Kategorisierung ist wichtig, um Interpretationsprobleme herauszuarbeiten, die in der Unterrichtsreihe bearbeitet werden sollen sowie für die spätere Entscheidung, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Anschließend werden systematisch Potenziale und Risiken des KI-Einsatzes für verschiedene Aspekte der Gedichtinterpretation abgewogen. Die Teilnehmenden evaluieren, ob KI für das Lernen in Bezug auf Textoberfläche, perspektivische Darstellung, Indirektheit und Sinnbildlichkeit oder Zusammenhänge im Dargestellten förderlich oder hinderlich sein könnte. Dabei wird deutlich, dass KI beispielsweise bei der Klärung von Wortbedeutungen und historischen Kontexten hilfreich sein kann, aber bei der subjektiven Aneignung und der Entwicklung eigener Vorstellungsbilder möglicherweise kontraproduktiv wirkt. Der Planungsteil kulminiert in einer detaillierten Unterrichtssequenz, in der für jede Phase entschieden wird, ob und wie KI eingesetzt werden soll. Die Teilnehmenden lernen, zwischen verschiedenen KI-Funktionen zu unterscheiden: KI als Tutor für Begriffserklärungen, als Writing Partner für kreative Prozesse oder als Feedback-Instrument für Deutungshypothesen. Die Entscheidungen werden jeweils mit Blick auf Aufmerksamkeitslenkung, Vorwissen der Schüler*innen und Möglichkeiten der Weiterverarbeitung im Plenum begründet. Im zweiten Teil (2.2) liegt der Fokus auf den Voraussetzungen für eine produktive KI-Nutzung durch Schülerinnen. Zentral ist hier die Vermittlung von Prompting-Kompetenzen. Die Teilnehmenden analysieren ein Arbeitsblatt zum Prompten, das Konzepte wie Framing, Referenzen, Outputformat und iteratives Prompting einführt. Anhand konkreter Schülerinnen-Prompts wird evaluiert, welche Promptbestandteile umgesetzt wurden und wie die Qualität der KI-Outputs davon abhängt. Die Teilnehmenden vergleichen selbst Outputs zu unterschiedlich formulierten Prompts und erkennen dabei die Bedeutung präziser Aufgabenformulierung. Ebenso wichtig ist die Steuerung des Interpretationsprozesses im Unterrichtsgespräch. Anhand von Videomaterial verfolgen die Teilnehmenden, wie eine Lehrkraft ein erstes Textverständnis etabliert, Schlüsselfragen fokussiert und dabei zwischen Öffnung und Schließung des Interpretationsprozesses abwägt. Diese Gesprächsführungskompetenz ist essentiell, um die Grundlagen für eine produktive KI-Nutzung zu schaffen.

DeutschSekundarschuleSekundarbereich II
02:00:00
Zum externen Inhalt